Jahrhundertealte Geschichte

Die Wurzel der Bürgerwehren geht bis ins Mittelalter zurück. Sie entstanden aus der Fortführung der Schützentradition. Die einheitliche Uniformierung wurde erst im 18. Jahrhundert eingeführt und die Organisation ab 1822 durch das "Normalstatut für Bürger - Corps", von der Großherzoglichen Generaladjudantur ebenfalls einheitlich geregelt. Die "Bürgerwehrsoldaten"  dienten nur selten als kämpfende Truppe. Hauptsächlich wurden sie für Wach - und Paradedienste und als Prozessionssoldaten eingesetzt.

In der Zeit der Badischen Revolution 1848/49 wurden fast alle Bürgerwehren aufgelöst und später, nach den ursprünglichen Vorbildern, wiedergegründet.

Am 13. Juli 1930 beschlossen Kommandanten und Offiziere, anläßlich des "Heimattages der Badener in aller Welt" in Karlsruhe, einen Badischen Landesverband zu gründen. Dieser wurde am 15.2.1931 im Alten Ratssaal in Villingen gegründet. Zum ersten Landeskommandanten wurde Hermann Kopf (Zell a.H.) gewählt.

Durch Satzungsänderung bei einer Kommandantentagung am 20. Januar 2002 im Bürgersaal des alten Rathauses in Bretten erlangte der Verband den Eintrag ins Vereinsregister sowie die Gemeinnützigkeit.

 

Historie

Schon im Mittelalter trafen Städte und Dörfer besondere Hilfs-, Wach- und Ver­teidigungsmaßnahmen zu Ihrem Schutz. Bürger und Einwohner, die bereits eine bestimmte Zeit am Ort wohnten, wurden zu Waffenübungen und sogar zum Kriegsdienst herangezogen. Bei Gefahr läutete die Rathaus- oder Kir­chenglocke Sturm (in Freiburg existierte bereits 1509 eine "Sturmglockord­nung") und jeder Bürger musste bewaffnet oder bei Brand auch mit einem Wasserkübel ausgerüstet zu einem festgelegten Sammelplatz eilen, wo er wei­tere Anweisungen erhielt. Die Ausrüstung dieser "Bürgerwehren" bestand noch Ende des 16. Jahrhunderts aus Harnisch, Sturmhaube, Hellebarde und Kno­belspieß, am Anfang des 17. Jahrhunderts dann auch aus der Muskete, später der Steinschlossflinte, dem Zündnadelgewehr, Hinterlader und Repetierge­wehr. Die Schützen rekrutierten sich meist aus den schon sehr alten Schüt­zenbruderscSchon im Mittelalter trafen Städte und Dörfer besondere Hilfs-, Wach- und Ver­teidigungsmaßnahmen zu Ihrem Schutz. Bürger und Einwohner, die bereits eine bestimmte Zeit am Ort wohnten, wurden zu Waffenübungen und sogar zum Kriegsdienst herangezogen. Bei Gefahr läutete die Rathaus- oder Kir­chenglocke Sturm (in Freiburg existierte bereits 1509 eine "Sturmglockord­nung") und jeder Bürger musste bewaffnet oder bei Brand auch mit einem Wasserkübel ausgerüstet zu einem festgelegten Sammelplatz eilen, wo er wei­tere Anweisungen erhielt. Die Ausrüstung dieser "Bürgerwehren" bestand noch Ende des 16. Jahrhunderts aus Harnisch, Sturmhaube, Hellebarde und Kno­belspieß, am Anfang des 17. Jahrhunderts dann auch aus der Muskete, später der Steinschlossflinte, dem Zündnadelgewehr, Hinterlader und Repetierge­wehr. Die Schützen rekrutierten sich meist aus den schon sehr alten Schüt­zenbruderschaften, den -gesellschaften oder entsprechenden Vereinigungen. Die Handwerker hingegen waren für das Ausbessern beschädigter Stadtmau­ern, Brücken und dergleichen sowie für die Bekämpfung der zum Teil verhee­renden Brände zuständig. Jeder Pflichtige musste für sein "Ober- und Unter­gewähr" selbst sorgen.

 

Bürgerwehrähnliche Einrichtungen

Die eigentlichen Bürgerwehren in der Form, wie sie heute noch in verschiede­nen Städten und Gemeinden bestehen, traten erst im 18. Jahrhundert in Erscheinung. Sie sind aus dem "Bürger Militair" oder den "Bürgermilitärcorps" hervorgegangen. Ihre Uniformierung war anfangs von den friderizianischen und später von den napoleonischen Vorbildern beeinflusst. Diese Bürgerwehr­soldaten dienten selten als Kampfsoldaten, sondern in der Hauptsache als Wachsoldaten, als Streifenkommandos sowie als Parade- und Prozessionssol­daten. Diese Entwicklung hängt mit den damals entstehenden Staatsheeren (Volksheere nach der Französischen Revolution 1789) und der Staatspolizei zusammen, welche die eigentlichen Bürgerwehren überflüssig machten. So wurden die Bürgerwehren und Milizen schließlich zu Trägern einer gehüteten Tradition eines aufrecht gehaltenen Heimatgedankens und frommen Bürger­sinnes. So wurde zum Beispiel in Bretten das auf das Jahr 1504 zurückgehen­de "Freischießen" bis zur Auflösung der Bürgerwehr 1849 jährlich durchge­führt. haften, den -gesellschaften oder entsprechenden Vereinigungen. Die Handwerker hingegen waren für das Ausbessern beschädigter Stadtmau­ern, Brücken und dergleichen sowie für die Bekämpfung der zum Teil verhee­renden Brände zuständig. Jeder Pflichtige musste für sein "Ober- und Unter­gewähr" selbst sorgen.

Die Badische Revolution 1848/49 und die Auflösung der meisten Bürger­wehren und Milizen

Von der allgemeinen Landesentwaffnung im Jahre 1849 in Baden wurden nur wenige Gemeinden ausgenommen, nämlich diejenigen, die während der Badi­schen Revolution 1848/49 der Großherzoglichen Regierung in Karlsruhe und der Staatsverfassung besondere Treue bewiesen hatten. Das waren die Gemeinden Bad Peterstal, Oberharmersbach, Insel Reichenau, Sipplingen und Unterharmersbach. Was heute an weiteren Bürgerwehren besteht, sind alle­samt Wiedergründungen der neueren Zeit (nach W. Fladt).

In der Geschichte der Bürgerwehren ist das Geschehen der Badischen Revo­lution von 1848/49 und deren Verlauf im badischen Raum besonders festge­halten. Noch 1848 wurden von der Obrigkeit allerorts Bürgerwehren eingerich­tet. Im Frühjahr 1849 entbrannte in Baden die Revolution wieder heftiger. Des­halb verstärkten die Gemeinden überall ihre Bürgerwehren. Inzwischen brach­ten die Maitage des Jahres 1849 jene Ereignisse, die in kürzester Zeit den vo­rübergehenden Sieg der neuen Volkserhebung in Baden herbeiführten. Am 12. Mai meuterte in den Garnisonen Karlsruhe und Rastatt das Militär. In die am 14. Mai von Großherzog Leopold fluchtartig verlassene Residenz Karlsruhe zog noch am selben Tag die Revolutionsregierung ein. Ihre Herrschaft dauerte jedoch nur kurze Zeit. Auf den Hilferuf des geflüchteten Großherzogs Leopold rückten im Juni zwei preußische Armeekorps unter Führung des Prinzen Wil­helm von Preußen (Kartätschenprinz genannt), des späteren Kaisers Wilhelm 1., in Baden ein und schlugen den Aufstand nieder.
An diesem hatten auch Bürgerwehren teilgenommen, wie z. B. Bretten, Ettlin­gen, Freiburg und Gengenbach. Diese Wehren waren auch an den Schlachten bei Waghäusel, Ubstadt und Malsch für die Revolution beteiligt. Die Sipplinger Bürgermiliz hingegen blieb regierungstreu und half beim Grafen von und zu Bodman, Freischärler festzunehmen und dingfest zu machen. Die meisten Bür­gerwehren wurden 1849 de facto aufgelöst und nach Rückkehr der Regierung im Jahre 1851 de jure verboten. Viele von ihnen lebten erst wieder nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) auf.

Die Mitgliedschaft im "Badischen Kriegerbund"

Vom Jahre 1874 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges waren die meisten Bür­gerwehren und Bürgermilizen Mitglied des Badischen Kriegerbundes, der sei­nen Sitz in Karlsruhe hatte. Altüberlieferte militärische Ehrendienste der Bürgerwehren und Milizen, wie Platzkonzerte, Paraden und Salutschießen tragen dazu bei, kirchliche und weltliche Feste zu verschönern. Großveranstaltungen sind zum Beispiel die Landestreffen der Bürgerwehren, bei denen ein Feldgottesdienst oder eine ökumenische Morgenfeier mit Totenehrung, ein farbenprächtiger historischer Festzug und am Abend zuvor der "Große Zapfenstreich" als Höhepunkte gel­ten. Auch die Kommandantentagungen in Uniform werden meist mit Festzug u. ä. in der entsprechenden Gemeinde abgehalten. Die Kommandantentagungen in Zivil sind reine Arbeitstagungen.
Der Landesverband sowie alle Bürgerwehren und Milizen haben durch den Zweiten Weltkrieg viele ihrer Mitglieder verloren. Schriftliche Zeugnisse und Unterlagen verschwanden. Einzelne Bürgerwehren konnten nicht mehr aus­rücken, andere lösten sich auf. Einige Jahre waren die Bürgerwehren von den Besatzungsmächten verboten. Bei deren Einmarsch ist ein Großteil der Uni­formen und Ausrüstungsgegenstände, insbesondere Gewehre, Säbel, Helme und Haarbüsche, vernichtet, beschädigt oder verschleppt worden. Die Wiederbeschaffung von Uniformen und Utensilien bereitete enorme Schwierig­keiten und erforderte erhebliche Anstrengungen. Umso erfreulicher ist es, dass es gelang, Bürgerwehren und Milizen wieder auf die Beine zu stellen und im Landesverband zu vereinen.
Der Landesverband unterstützt die Arbeit der Bürgerwehren und Milizen sowohl intern als auch in der Öffentlichkeit. Vor allem bei der Planung und Durchführung von Landestreffen, für welche die betroffenen Bürgerwehrange­hörigen viel Arbeit und Zeit bei der Vorbereitung und Durchführung aufbringen.

Weitere Aktivitäten sind z.B. die Teilnahme bei:

  • Neujahrsempfängen von Politik und den Kirchen in Freiburg i. Br., Heimattagen Baden-Württemberg,
  • Staatsempfängen,
  • öffentlichen Gelöbnissen der Bundeswehr,
  • befreundeten Bürgerwehren des Landesverbandes der Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg-Hohenzollern,
  • anderen Verbänden,
  • Auftritten des Bundes Heimat und Volksleben,
  • Veranstaltungen von Partner- und Freundschaftsstädten im In- und Ausland, Brauchtums - u. Denkmalspflege, Umweltschutz.
  • Nicht zu kurz kommen Kameradschaftspflege und Patenschaften mit dem Bürger in Uniform, den Angehörigen der Bundeswehr.
  • Sie zeigen auch soziales Engagement, z. B. bei der Alten- u. Behindertenbe­treuung.

Quelle: Broschüre "Dokumentation 1930 - 2000", Landesverband der Bürgerwehren und Milizen Baden-Südhessen, 1. Auflage 2000