Chronik 90 Jahre Landesverband

47 Geschichte der Gemeinde Reichenau Die 4,5 km lange und 1,5 km breite Insel Reichenau ist die größte der drei Bodenseeinseln. Auf der Insel leben etwa 3700 Einwohner. Die Gesamtgemeinde Reichenau hat mit den zwei Ortsteilen auf dem Festland ca. 5400 Einwohner. Im Jahr 724 gründete der Wanderbischof Pirmin auf der Insel ein Benediktinerkloster. Vom 8. bis 11. Jahrhundert entwickelte es sich als unmittelbares Reichskloster zu einem geistigen Zentrum des Abendlandes. Berühmt waren die Klosterbiblio- thek und die „Reichenauer Malerschule“ (Buch- und Wandmalerei). Nach den goldenen Jahren der karolingisch-ottonischen Epoche verlor das Kloster im ausgehenden Mittelalter zunehmend an Bedeu- tung und es begann der geistige und wirtschaft- liche Niedergang. 1540 wurde das Kloster in ein Priorat umgewandelt und 1757 aufgehoben. Mit der Gründung der Benediktinercella „St. Benedikt“ im Jahr 2004 gibt es heute wieder klösterliches Leben auf der Reichenau. Zeugen der großen Vergangenheit karolingischer Größe und klösterlicher Kultur sind die drei roma- nischen Kirchen der Reichenau: Das Münster St. Maria und Markus, die ehemalige Klosterkirche, eine dreischiffige Basilika mit den ältesten Bau- teilen aus dem Jahr 816 und einer reichen Schatz- kammer. St. Georg in Reichenau-Oberzell (erbaut nach 888), ist weltberühmt durch ihre ottonischen Wandbilder aus dem 10. Jahrhundert. St. Peter und Paul in Reichenau-Niederzell ist eine romanische Kirche des 11. und 12. Jahrhunderts mit einem herr- lichen Wandbild in der Ostapsis. Die große Vergangenheit spiegelt sich auch immer noch in den drei Inselfeiertagen, dem Markusfest (25. April), dem Heilig-Blut-Fest (Montag nach Dreifaltigkeitssonntag) und dem Fest Mariä Him- melfahrt (15. August). An diesen Feiertagen und an Fronleichnam werden nach einem Hochamt im Münster die Reliquienschreine aus der Schatzkam- mer, begleitet von der historischen Bürgerwehr, in einer Prozession über die Insel getragen. Die Reichenau ist seit 2000 UNESCOWeltkultur­ erbe. Sie würdigt damit die frühere Klosterinsel als Kulturlandschaft, die ein herausragendes Zeugnis von der religiösen und kulturellen Rolle eines gro- ßen Benediktinerklosters im Mittelalter ablegt. Ein wichtiger Erwerbszweig der Reichenauer Bevölkerung ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts der Gemüseanbau, der damals den vorherrschen- den Weinbau abgelöst hat. Auf 120 ha Anbaufläche (Freiland und Glasgewächshäuser) werden im Jahr rund 14.000 Tonnen Frischgemüse geerntet. Der Tourismus wird für die Reichenau zunehmend bedeutender. In über 1000 Betten und auf den Campingplätzen werden im Jahr rund 250.000 Übernachtungen gezählt. Zwei Traditionserwerbs- zweige sind der Weinbau und die Fischerei. Daten & Fakten Aktive Mitglieder: 100 Gegründet: 1108 Kommandant: Hauptmann Klaus Deggelmann www.buergermusik-reichenau.de Hist. Bürgerwehr Insel Reichenau

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