Chronik 90 Jahre Landesverband
40 Gengenbach, Zell, Lahr, Offenburg und Ettenheim eine Ausflug nach Haslach unternommen. Der damals noch junge Heinrich Hansjakob durfte während seiner Kindheit die stets zahlreichen und festlichen Auftritte des Bürgermilitärs miterleben und er schreibt darüber in seinem Buch „Aus meiner Jugendzeit“, welches neben „Erzbauern“ zu einer wahren Quelle an Überlieferungen geworden ist, wie folgt: „Ein weltlich Fest steht noch lebhaft in der Erinnerung an meine Jugendzeit, der Ge- burtstag von Großherzog Leopold am 29. August. Da ging es hoch her in der Vaterstadt, denn es rückte das Bürgermilitär aus und am Nachmittag war Festessen für die Väter, und für die Kinder gab‘s dabei Kuchen“. Hansjakobs Interesse an den Aktivitäten des Bürgermilitärs war nicht unbe- gründet, war doch sein Vater Philipp Hansjakob Bürgerwehrhauptmann. Hansjakob bringt in sei- nen Ausführungen den Lesern die ganzen Festlich- keiten lebhaft vor Augen und er schreibt weiter: „Ja, es waren stolze Soldaten, die alten Haslacher, ganz uniformiert wie die badische Linie, nach napoleonischer-französischer Art, getragen vom Festgeiste und einem guten Morgentrunk“. Schon bald aber sollte es ein Ende haben mit dem stolzen Haslacher Bürgermilitär, denn im Zuge der Badischen Revolution reihten sich auch viele Män- ner aus den Reihen der Bürgerwehr ein in die Badi- schen Revolutionstruppen, wobei für manche von ihnen dieses Eintreten für Freiheit und Gleichheit im Gefängnis oder in der Flucht nach Amerika ge- endet hatte. So kam es als Folge aller freischärleri- schen Aktivitäten zur Entwaffnung und Auflösung des Haslacher Bürgermilitärs. Erst über einhundert Jahre später gab es Bemühungen, das einstige Bür- germilitär neu zu gründen. Bereits zuvor hatte eine Nachbildung des Haslacher Bürgerwehrleutnants für das Schwarzwälder Trachtenmuseum den An- lass gegeben, die Wiedergründung zu planen, was dann im Dezember 1990 erfolgt war. Im Jahre 1991 bereits erfolgte die Aufnahme der Historischen Haslacher Bürgerwehr in Unterharmersbach in den Landesverband der Bürgerwehren und Mili- zen Baden-Südhessen, wobei zuvor die „Närrische Miliz“ der Haslacher Narrenzunft ihre bisherige Unform ablegen musste, da diese der des einstigen Haslacher Bürgermilitärs nachempfunden war. Die Haslacher Historische Bürgerwehr ist einge- kleidet in blauem Uniformrock mit rotem Besatz, weißen Hosen und schwarzem Tschako mit wei- ßen Fangschnüren und hohem roten Wollstutzen. Die Schützen sind ausgerüstet mit Vorderlader- gewehren und Bajonett sowie Säbel. Dazu tragen sie über Kreuz gelegte Bandoliere. Die Einkleidung erfolgte streng nach den Vorgaben im Haslacher Stadtarchiv und jenen im Generallandesarchiv in Karlsruhe sowie auch auf die im Detail genauen Schilderungen Heinrich Hansjakobs. Im Jahre 1995 wurden dann die bereits 1987 ge- gründete Gruppe der Haslacher Bürgerinnen in die Historische Bürgerwehr aufgenommen. Diese tra- gen die bürgerliche Kleidung der Haslacherinnen aus der Zeit des 19. Jahrhunderts, wobei die Gold- haube und die böhmische Granatkette (Halsnister) zu den Besonderheiten gehören. Diese Kleidung ist wiederum belegt durch die Beschreibungen Hein- rich Hansjakobs und insbesondere durch zahl- reiche Porträts des Haslacher Kunstmalers Carl Sandhaas (1801-1859). Mit diesen Vorgaben kam es zur Wiederbelebung dieser städtischen Tracht und damit zur Gründung der Haslacher Bürgerin- nen anlässlich des 150. Geburtsages von Heinrich Hansjakob, welcher 1987 mit einem großen Jubilä- umsfest verbunden war. Besondere Aktivitäten der Hist. Bürgerwehr und Bürgerinnen Bereits unmittelbar nach der Wiedergründung der Historischen Bürgerwehr nahm sich diese einem der letzten Haslacher Bier- und Felsenkeller aus der Zeit des 19. Jahrhunderts an, zu einer Zeit, wo Haslach noch 14 Brauereien gezählt hatte. Der eins- tige Bierkeller des Adlerwirtes Heinrich Joos aus dem Jahre 1880 war fast völlig zerfallen und wurde als Kleindenkmal von der Historischen Bürgerwehr generalsaniert. Heute ist dieser schattige Festplatz, der den Felsenkeller umgibt, der Ort des alljähr- lichen Bierkellerfestes der Hist. Bürgerwehr und Bürgerinnen. Durch einen günstigen Zufall konnte die Histo- rische Bürgerwehr mit den Bürgerinnen durch die Katholische Pfarrgemeinde ein Haus auf dem Haslacher Kirchplatz auf „unbefristete“ Zeit erhal- ten und es wurde nach einer auch finanziell auf- wendigen Generalsanierung durch die Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereins zum künftigen Vereinshaus, hervorragend in das historische Alt- stadtensemble eingebunden.
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