Chronik 90 Jahre Landesverband

30 Schreibweise) „Statuten für das uniformirte Bür- ger Militair zu Fuß in Bretten“. Über den „Zweck des Corps“ informiert folgender Auszug aus den Statuten (in zeitgenössischer Schreibweise): „ ... c) Erhöhung der Würde und Feyer der Feyertage und anderer Feste, sowie der städtischen Volksfeste, namentlich des Gedächtnißtages der siegreichen Abschlagung der württembergischen Belagerung unter Herzog Ulrich durch Brettens Bürger. d) ...“. Dies geschah im Jahre 1504. Im Bauernkrieg erfolg- te 1525 ebenfalls eine erfolgreiche Abwehr von Auf- ständischen. 1689 hatten sie gegen die anrücken- den Franzosen keinen Erfolg. Im Allgemeinen hatte die Bürgerwehr friedliche Aufgaben zu erfüllen, so z. B. die Mitwirkung bei den Schäferläufen am St. Laurentiustag als Ordner oder gar als Schiedsrich- ter (Brief von 1780). Für die Zeit zwischen 1824 und 1849 geben uns Berichte und drei Bilder Zeug- nis vom Bestehen einer Bürgerwehr. Auch wurde 1849 Alexander Paravicini zum Hauptmann der „Bürgerwehr der Stadt Bretten“ (daher der heutige Name) ernannt. An den revolutionären Aufständen beteiligten sich auch Brettener Bürgerwehrmänner, worauf die Wehr 1849 de facto aufgelöst und 1851 de jure verboten wurde. Sie wurde erst 1924 durch den „Kleinkaliber-Schüt- zenverein Bretten 1923“ als historische Abteilung wiedergegründet, dem sie bis zur Trennung im Jah- re 1970 angehörte, bis sie dann ein selbstständiger Verein wurde. 1933 wurde in Bretten Fritz Riederer zum Landeskommandanten ernannt. 1949 lebte die Bürgerwehr nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf und sie war wesentlich an der Durchführung des ersten Peter-und-Paul-Heimatfestes im Jahre 1950 beteiligt. Bis heute ist die Hist. Bürgerwehr Bretten für die gesamte Organisation des Bürger- wehrbereiches vor und während des Heimatfestes allein verantwortlich. 1967 und 2002 richtete sie in den Mauern Brettens glanzvolle Landestreffen aus. Sie wirkte stark an den Feierlichkeiten und an zwei Filmen anlässlich der Badischen Revolution 1848/49 vor 150 Jahren mit. Eine der wichtigsten Aufgaben der Bürgerwehr ist seit ihres Bestehens die Aufrechterhaltung und Pflege von Tradition und Brauchtum und insbeson- dere der Erhalt und die Fortführung des histori- schen Peter-und-Paul-Heimatfestes, welches jedes Jahr am Sonntag (Wochenende) nach dem 29. Juni stattfindet. Die Uniformierung der Bürgerwehr nach Jägerart ist napoleonischen Ursprungs und basiert auf den damaligen Vorschriften: Dunkelgrüner Rock im Frackschnitt mit ziegelrotem Kragen, ziegelroten Ärmelauf- und Schoßumschlägen sowie goldenen Knöpfen, weiße Leinenhose, schwarzer Tschako mit Stadtwappen, bestehend aus blau-weißen senkrecht stehenden Rauten, blau-weißer Huppe (Infanterie und Artillerie) bzw. rot-weißer Huppe (Musiker und Spielleute), dazu weiße Fangschnur, weißes Lederzeug, weiße Handschuhe und schwar- ze Schuhe. Die Bewaffnung der Wehr besteht aus der Muskete Modell 1777 (Vorderlader) mit abnehmbarem Bajo- nett, aptiert auf Perkussion mit dem Oberndorfer Hahn, Kaliber .69, und dem Ordonanzsäbel Modell 1824 mit Portepée. Die Artillerie führt die Stadt­ kanone mit sich. Die Offiziere tragen Degen.

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