Chronik 90 Jahre Landesverband
68 und wird noch hier produziert. Zu Zeit 2020/21 wird der Rundofen aufwendig renoviert und als Schmuckstück für jedermann zugänglich gemacht. In diesem einen von fünf Öfen wurde 100 Jahre Geschirr gebrannt. Durch die Bereitstellung von Gewerbeflächen hat Zell heute einen gesunden Mix von Handwerk und Industrie. Entstehung, Uniformierung und Bewaffnung Die Geschichte der Zeller Bürgerwehr geht zurück auf die Zeit, als Zell Reichsstadt war und somit das Schützenkorps als Selbstschutz diente. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Bürgerwehr im Jahre 1714. Bereits damals verfügte man über 67 Männer mit Ausrüstung. Auch Pfeifer und Trommler gehör- ten dazu. Unser Spielmannszug tritt heute noch, als einziger im Landesverband, in der Original besetzung nur mit Pfeifen und Trommeln an. Ein genaues Gründungsdatum ist nicht bekannt, es wurde aber in den Ratsprotokollen der Stadt ab dem Jahre 1597 immer wieder von „Bürgern in Wehr“ geschrieben. Mit der badischen Revo- lution kam 1849 das Ende für die Schützen und Ulanen. Bald fanden sich aber wieder Männer zum Gewehrexerzieren zu Ehren des Großherzogs. 1858 gab es beim heutigen Hotel-Gasthof Kleebad am Badwald ein Schießhaus, man spricht heute noch vom Schützendobel. Im Jahre 1862 gab dann die großherzogliche Regie- rung die Erlaubnis, an Feiertagen Waffen zu tragen und die Bürgerwehr wurde ein Verein. 1933 wur- den nach 75-jähriger Pause die Ulanen neu gegrün- det. Nach dem 2. Weltkrieg im Mai 1949 wurde die Bürgerwehr Zell a.H. wieder ins Leben gerufen. Die Trachtengruppe der Zeller Bürgerinnen kam 1953 zur Bürgerwehr dazu. Unsere Fahne von 1884 mit der österreichischen Doppeladlerspitze wurde 1984 durch eine neue ersetzt und mit einem großen Fest eingeweiht. Die Mitglieder der Bürgerwehr tragen die Uniform der österreichischen Kaiserjägerschützen aus dem Jahre 1884 und weisen auf die einstige Zugehörig- keit zu Vorderösterreich hin. Die Schützen tragen einen dunkelgrünen Uniformrock und schwarze Hosen mit grünem Blies. Als Kopfbedeckung dient ein schwarzer Hut mit dem goldenem städtischen Adler und einem schwarzen Hahnenfederbusch. Die Frauen ziehen bei den Auftritten die frühere Originaltracht der Zeller Bürgerin, die sogenannte Festtagstracht an. Halstücher und Goldhauben werden in Handarbeit selbst hergestellt. Die Ulanen tragen weiße Reithose, grünen Waf- fenrock mit rotem Einsatz, Tschako mit Pferde- schweif, und silberner Degen. Die Offiziersbeklei- dung ist schwarze Tuchhose mit grünem Blies mit langemWaffenrock, Degen, weiße Handschuhe, je nach Dienstgrad Epauletten mit Fransen in Gold oder Silber. Bis zum 1. Weltkrieg war die Bürgerwehr Zell mit Vorderladergewehren bewaffnet, danach trugen sie spanische Karabiner Kal. 7, 65 mit Seitengewehr. Jetzt 2021 haben wir neue österreichischen Lorenz Vorderlader Mod. 1852-1854 mit Bajonett Cal. 54 passend zu unserer Uniform angeschafft, um in Zu- kunft stolz damit aufzutreten und den Fortbestand garantieren zu können. In unserem Städtle treten wir seit alters her an fol- genden Terminen an, am Herrgottstag, Zeller Fest (Patrozinium) und an Silvester. Wir sind stolz auf die ca. 100 Aktiven in der österreichischen Kaiser jägertracht und zusätzlich mit dabei ist unsere Stadtkapelle in derselben Uniform. Zu unseren kirchlichen Festen kommt die Bürgerwehr Unter- harmersbach noch dazu, ebenfalls die Musikkapel- len von Unterharmersbach und Unterentersbach. 1930/31 wurde die Landesvereinigung: Badischer Bürgermilizen, Garden, Gilden und Bürgerwehren gegründet und der Zeller Hauptmann Hermann Kopf als erster Landeskommandant einstimmig gewählt. Von 2006 bis 2014 hatte Zell wieder einen Landeskommandanten - Oberst Bernhard Lehmann - in ihren Reihen. Große Landestreffen wurden in Zell a.H. 1932, 1957, 1973, 1995 und 2012 ausgerichtet. Wir treten auf für das Ansehen der Stadt, zur Erhöhung der Feste und um Tradition und Brauchtum zu erhal- ten und weiterzuführen.
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