Chronik 90 Jahre Landesverband
56 Als 1803 die Reichsfreiheit geendet hatte und das Tal an das Land Baden fiel, war zunächst das Ende der Bürgerwehr Unterharmersbach gekom- men. Im Jahre 1845 stellte der „Gemeinderath zu Unterharmersbach“ an das „Großherzoglich ba- dische wohllöbliche Bezirksamt“ den Antrag auf „Errichtung eines Schützenkorps daselbst“. Die Entscheidung aber ließ lange auf sich warten und erst am 21. November 1862 kam die Antwort aus Karlsruhe, dass die Erlaubnis zumWaffentragen erteilt werde. Das war die Geburtsstunde der heute noch bestehenden Historischen Bürgerwehr Unterharmersbach. Aus der einst zum Schutze des Tales und seiner Bewohner für jeden Bürger verpflichtenden Einrichtung der „Schützenmeis- ter und Schießgesellen“ war jetzt die Freiwillige Bürgerwehr Unterharmersbach geworden. Ihr stand der damalige Bürgermeister Lorenz Damm als Schützenhauptmann vor. Im Jahre 1921 gründete Fridolin Spitzmüller aus dem Hinterhambach einen Spielmannszug. Die Tradition, den Tambourmajor zu stellen, blieb dann sehr lange in der Familie Spitzmüller. Nach Fridolin und Friedrich Spitzmüller wird der Spielmannszug noch zu Beginn des neuen Jahrtau- sends in dritter Generation von Erwin Spitzmüller geleitet. Heute leitet den Spielmannszug Tambour- major Josef Roth. Von alters her gehören die Maidle und Frauen in der Harmersbacher Tracht zur Historischen Bür- gerwehr, aber erst im Jahre 1978 war die offizielle Gründung der Trachtengruppe erfolgt. Die Maidle tragen bei den festlichen Auftritten die Tracht mit dem „Kränzli“ als Kopfbedeckung und die verhei- rateten Frauen die Henkelhaube. Daher der Aus- druck „Sie ist unter die Haube gekommen“. Bei ihren öffentlichen Auftritten führen die Männer der Bürgerwehr als Zeichen der Bewaffnung und in ihrer früheren Aufgabe, das Tal zu schützen und zu verteidigen, Vorderladergewehre mit sich. Es handelt sich hierbei um echte Vorderladergewehre aus der Zeit zwischen 1820 und 1865, die bereits bei der Badischen Revolution im Einsatz gewesen sein sollen. Erfolgreich wehrten sich die Unter- harmersbacher Schützen in den 1960er Jahren gegen die Forderung des Wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt, die Gewehre zurückzuge- ben und hierbei hatten sie die Unterstützung des Landtagsabgeordneten Robert Ruder erfahren. Die althergebrachte Tracht der Talbauern stellte schon immer auch die „Uniformierung“ der Unter- harmersbacher Schützen dar und ihr Aussehen ist schon in alten, noch erhaltenen Statuten fixiert. Sie besteht aus einem Rock aus gesponnenem Tuch mit schwarzer Glanzfarbe und karmesinroten Umschlägen, roter Weste, langer weißer Hose und schwarzem Hut mit hohem Federbusch und Sträußle. Die Offiziere tragen schwarze Hosen und den badischen Offizierssäbel.
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