Chronik 90 Jahre Landesverband
43 Die meisten Bürgerwehren in Baden entstanden bekanntlich zwischen 1715 und 1827. Die Aufgaben waren vielfältig, neben Wach- und Ordnungs- diensten waren sie damals auch für die Bekämp- fung von Bränden oder auch für Reparaturen von Stadtmauern, Brücken und dergleichen zuständig. So war es auch in Karlsruhe, in einer der jüngsten Städte unseres Landes. Karlsruhe wurde erst 1715 durch Markgraf Karl dem III. gegründet und war Residenz und Hauptstadt der Markgrafschaft Baden-Durlach. Aus den Wurzeln der Karlsruher Schützengesell- schaft entstanden, versah die Bürgerschaft, die spä- tere Bürgerwehr, bereits im Jahre 1721 freiwillige Wach- und Ordnungsdienste in der jungen Stadt - und ist somit eine der ältesten Wehren Badens und mit der Schützengesellschaft der älteste Verein in Karlsruhe. Die Bürgerwehr entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich weiter und genoss bei der Bevölkerung großes Ansehen. 1848 bestand die Karlsruher Bürgerwehr aus über 2600 Mann in 4 Abteilungen. Dieses waren die Grenadiere, die Füseliere, die Feuerwehr und die Scharfschützen. Angegliedert war auch eine Artillerieabteilung, die zwei Kanonen und jeweils eine doppelte Bedien- mannschaft umfasste. Aufgaben waren die Wah- rung der öffentlichen Ordnung und die Funktion als Feuerwehr. Nach deren Wirren der 1848/1849-Revolution wurden viele Bürgerwehren in Baden aufgelöst. 1852 wurden sie dann sogar per Gesetz verboten. Aber nicht die Karlsruher. Da die Scharfschützen abteilung 1849 zusammen mit Truppen der Garni- son das Zeughaus und das Waffendepot verteidigte und somit die Stadt vor Anarchie und Plünderung bewahrt hatte, durften die Karlsruher Bürgerwehr (neben Sipplingen die einzige in Baden) und die Schützengesellschaft aufgrund dieses beherzten Handelns, aber auch wegen ihrer Treue zum Fürs- tenhaus, ihre Waffen behalten. Auch ihr weiteres Fortbestehen wurde zugesichert. Jede Abteilung, Banner genannt, erhielt nach der Rückkehr des Großherzogs zum Dank eine Fahne gestiftet. 1849 durfte die Karlsruher Bürgerwehr an den Feierlichkeiten teilnehmen, mit denen Großherzog Leopold am 18. August wieder in seine Residenz einzog. Am 4. September 1849 wurde ihr eine weitere besondere Ehre zuteil, als Groß- herzog Leopold anordnete, dass den vier Bannern (Fahnen) der Bürgerwehr künftig dieselben Ehren- bezeigungen zuteil werden sollten wie den Groß- herzoglichen Fahnen. Bei den Trauerfeierlichkeiten für Großherzog Leopold im April 1852 trat die Bürgerwehr dann allerdings letztmals öffentlich auf. Daten & Fakten Aktive Mitglieder: 26 Gegründet: 1721, Wiedergründung 1964 Kommandant: Hauptmann Karl Leis www.buergerwehr-karlsruhe.de Hist. Bürgerwehr Karlsruhe e.V.
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