Chronik 90 Jahre Landesverband
36 Entstehung, Uniformierung und Bewaffnung Nach Gründung der Stadt Freiburg im Jahre 1120 ver einigten sich die Bürger, um die Stadt zu befes- tigen und sie vor Ein- dringlingen und Feu- ersbrünsten zu schützen, bis 1293 dem Zunftmeister der neu gebildeten Handwerkerzünfte der „Oberbefehl“ übertragen wurde, wobei ab 1338 durch Verfügung des Rates ein jeder, der sich länger als ein Vierteljahr in der Stadt aufhielt, einer Zunft beitreten und sich eine Waffe zulegen musste. Aus dem Jahre 1509 ist eine „Sturmglock- ordnung“ erhalten. Nachdem 1644 ein bayerisches Heer zwei französische Heere besiegt hatte, wurde dem Rat der Stadt aufgetragen, zum Schutze der Stadt eine Truppe aus den Bürgern zu bilden. Das könnte die Geburtsstunde der Bürgerwehr gewe- sen sein. Aber das Bürgermilitär wurde erstmals beim Einzug der kaiserlichen Hauptkommissare am 19.1.1666 schriftlich erwähnt. Die „Freywilligen“ aus Freiburg kämpften 1793, 1796 und 1800 an der Seite des Breisgauischen Landsturms, im Inter- esse Freiburgs und des vorderösterreichischen Heimatlandes, gegen die Franzosen. Wegen ihrer Tapferkeit zeichnete Kaiser Franz von Österreich die Fahne der Freiburger mit der goldenen Tap- ferkeitsmedaille aus, die nach großherzoglichem Beschluss auch getragen werden durfte, nachdem Freiburg 1805 badisch geworden war. Die Aufgaben nach § 1 der Statuten von 1831 lauten: „Ehre, Ortnung und Bereitwilligkeit zum Schut- ze des heimathlichen Heerdes sind die Devise des Corps.“ 1834 bestanden drei Abteilungen: Scharfschützen, Artillerie und Kavallerie, Gesamt stärke 232 Mann. Die Uniformierung erfolgte nach französischem, sprich napoleonischem Vorbild, jedoch mit sehr kurzen Rockschößen versehen, da diese Uniformen aus den ehemals österreichischen Uniformen des 18. Jahrhunderts herausgearbeitet wurden. In den Wirren der Badischen Revolution 1848/49 wurde das Bürgermilitär-Corps Freiburg, wie fast alle Bürgerwehren im Lande, aufgelöst und 1851 von Amts wegen verboten. Im gleichen Jahr gründeten die Ehemaligen - sie übernahmen den gewohnten Dienst wieder freiwillig - ein Pompier-Corps, die erste freiwillige Feuerwehr in Freiburg. 1858 gründeten die Veteranen zu fastnachtli- chen Veranstaltungen ein Bürgerehrencorps mit den alten Uniformen, um die Tradition weiterzu- führen. Erst 1954 wurde erkannt, dass die Historie eine Abwendung von der Fastnacht verlangte, und so schloss sich die Historische Freiburger Bürger- wehr dem Landesverband der Bürgerwehren und Milizen Baden-Hessen an. Sie führte anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt Freiburg im Jahre 1970 ein Landestreffen durch. Die drei Abteilungen sind nach einem Muster von 1835 verschieden eingekleidet. Die Infanterie bildet den Musikzug im hellblauen Uniformrock mit roten Aufschlägen, nach der badischen Infan- terie, mit weißer Hose und schwarzem Tschako. Die Artillerie, mit zwei Kanonen und 40 Geweh- ren bewaffnet, trägt den grünen Rock mit roten Aufschlägen wie das Bürgermilitär um 1830 (dies waren die Artillerie-Farben von Vorderösterreich; sie sind somit älter als das badische blau-rot), eine weiße Hose und einen schwarzen Tschako. Die Kavallerie, 10 Berittene, trägt einen dunkelb- lauen Rock mit gelber Brust und gelben Auf- schlägen, eine weiße Hose beim Reiten bzw. eine dunkelgraue Hose beim Marschieren sowie einen Original-Raupenhelm aus dem vorigen Jahrhun- dert. Die Bürgerwehr ist bewaffnet mit der Enfield Muskete Modell 1853 (Vorderlader), Kal. .58, mit Bajonett, außerdem mit zwei Kanonen. Die Offiziere tragen Degen.
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