Chronik 90 Jahre Landesverband

33 Entstehung,Uniformierung und Bewaff- nung der Bürgerwehr Ettlingen Am Anfang der Ettlinger Bürgerwehr stand eine Frau, die badische Markgräfin Augusta Sibylla, Gemahlin des als „ Türkenlouis“ bekannten Markgrafen und kaiserlichen Marschall Ludwig-Wilhelm. Ihr zu Ehren wurde die Bürgerwehr am 02.09.1715, in einer Gesamtstärke von zwei Kompanien, Reiterei und Fußtruppen, gegründet. Im Jahr 1732 wurde die Muttergottes- reliquie von Maria Bickesheim (Durmersheim) feierlich aus Ettlingen zurück in die Wallfahrts- kirche geleitet. Später, im Jahr 1755 kam noch eine Musikabteilung, mit 6 Hautboisten hinzu. Noch heute ist die erste Fahne dieser Wehr, die letztmals in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts öffent- lich getragen wurde, im Ettlinger Albgaumuseum zu sehen. 1792 wurde die Bürgerwehr wegen der akuten Gefahr eines französischen Einmarsches während des 1. Koalitionskrieges dem Landesaufgebot zu- geteilt. Wahrscheinlich nahm sie an der Schlacht von Malsch (Battaille de Ettlingen) teil, aber wohl nur für Schanzarbeiten, Kampfbeteiligung ist nicht dokumentiert. Im Jahr 1801 wurde den Bürgerwehren aller badi- schen Städte die Aufgabe der Streifkommandos übertragen, 1823 entfiel das Paradiergeld, es betrug zuletzt 30 kr. plus Jahresgabe 58fl.30 kr. Anlässlich des Empfangs des Erbgroßherzogpaares Leopold und Sophie, bei der der Kommandant Florian Buhl sowie der Reiterführer Dr. Kuehn ausgezeichnet wurden, erhielt die Bürgerwehr die noch heute getragene Uniform: Scharlachroter Rock, hellblaue Aufschläge, weiße Beinkleider, schwarzer Tschako. Die sogenannte Leopoldsfahne hatte der Erbgroß- herzog der Bürgerwehr persönlich überreicht. Auch diese Fahne ist noch erhalten; zum feierli- chen Einzug der Abgeordneten der Paulskirche 1848 war diese Fahne dabei. Im Revolutionsjahr 1849 hat man die Wehr in eine schlagkräftige Truppe umgebildet und mit langen blauen Röcken und Schildmützen mit Haarbüschen ausgestattet. Unter dem Kommandanten und Ettlinger Revolutionär Phillip Thiebauth, Mitglied der Regierung Brentano, wurde u.a. 100 Gewehre in Belgi- en beschafft, davon hat sich eines in Ettlingen erhalten. Leider hatte diese Wehr nur eine kurze Lebensdauer, sie war beim legendären Gefecht in Ubstadt und in Durlach dabei. Wie viele Ettlinger dabei für die Demokratie das Leben ließen, ist leider nicht verzeichnet. Der Armeebefehl Nr.31 des preußischen Prinzen Wilhelm, bei den Badenern wegen seines Umspringens mit der badischen Freiheitsbewegung allgemein „Kartätschenprinz“ bekannt, machte allen Bürgerwehren in Baden, bis auf 3 Milizen, den Garaus. Sie wurden zwangs- aufgelöst. Jahrzehnte vergingen, bis sich die Daten & Fakten Gegründet: 1715 Kommandant: Hauptmann Thilo Florl www.buergerwehr-ettlingen.de Bürgerwehr Ettlingen e.V.

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