Chronik 90 Jahre Landesverband

26 Bürgermiliz gründeten, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Dass in den Kriegszeiten die Milizen aufgelöst wurden, ist selbstverständlich. In den Revolutions­ jahren 1848/49 wurde auch die Bürgermiliz Bad Peterstal entwaffnet. Ein Auflösungsgebot wurde jedoch nicht verhängt, aber an ein Ausrücken war mangels Waffen nicht zu denken. Erst im Jahr 1860 wurde einem Gesuch an das Großherzogliche Bezirksamt in Oberkirch um Reaktivierung ent- sprochen. Die Genehmigung zumWiederaufbau war darauf zurückzuführen, dass die Miliz zu den fünf Wehren gehörte, die wegen ihrer verfassungs- treuen Haltung in den Revolutionsjahren bestehen bleiben durfte. Ihre Verfassungstreue bekam die Peterstaler Miliz auch dadurch gedankt, dass ihr der Großherzog Friedrich im Jahr 1861 eine Fahne verlieh, auf der als Gründungsjahr 1796 angege- ben war. Diese Fahne wurde bis zum Jahr 1953 getragen. Die Bekleidung der Bürgermiliz besteht aus einer Trachtenuniform, die der der Renchtalbauern des 17. Jahrhundert entspricht. Als Kopfbedeckung dient ein runder „Triller“ aus schwarzem Filz, der an der rechten Seite hochgeschlagen ist. An dieser Stelle ist eine Rosette aus farbigen Glasperlen und einem Federbusch, an welchem die Rangordnung der Milizsoldaten zu erkennen ist. Der lange schwarze Rock ist innen mit rotem Tuch gefüttert. Die Rockschöße sind unten umgeschlagen und zusammengenäht. Die Weste besteht aus rotem Tuch mit goldfarbenen Knöpfen. Die Hose ist eine Kniebundhose aus schwarzem Tuch, an deren Latz Verzierungen eingenäht sind. Die Fußbekleidung besteht aus weißen handgestrickten Baumwoll- strümpfen mit eingestrickten Motiven. Hierzu werden schwarze Schnürhalbschuhe getragen. Als Bewaffnung besaß die Miliz bis zum 2. Welt- krieg Gewehre des Linienbataillons der alten freien deutschen Reichs- und Krönungsstadt Frankfurt. Nach der Entwaffnung im 2. Weltkrieg wurden bei der Wiedergründung unter dem damaligen Kom- mandanten Leopold Roth Perkussionsgewehre, die teilweise aus Beständen des Wehrgeschicht1ichen Museums in Rastatt stammten, verwendet. In den Jahren 1975/76 wurden diese als Leihgaben gege- benen Gewehre zurückgefordert. Die Bürgermi1iz sah sich deshalb gezwungen, 1975 die Ausrüstung durch 50 Percussions-Vorderladergewehre „Zuave Rifle Mod. 1863“ - Lauflänge 84 cm - zu ersetzen. Mit diesen Gewehren wird regelmäßig, bei gege- benen Anlässen, Salut geschossen. Die Chronik der Bürgermi1iz ist reich an festlichen Ereignissen. In das Jahr 1871 fiel der Besuch des Zaren Alexander II. von Russland. Der dama1ige Hauptmann Braun wurde bestimmt, die Zarin auf allen Wanderungen in der Umgebung zu begleiten. Im Jahr 1876 paradierte die Mi1iz vor dem damali- gen Kurhaus Bad Petersta1, während des dortigen Aufenthalts Kaiser Wilhelms I. mit Gemahlin, des Kronprinzen Friedrich und der großherzoglichen Familie. Anlässlich seines Besuches des Peter- und Paulsfestes am 03. Juli 1982 wurde Herr Lothar Späth, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg zum Ehrenoffizier der Bürgermiliz Bad Peterstal ernannt. Im heutigen Volksmund werden die Milizsoldaten a1s „Hergottssoldaten“ bezeichnet und umrahmen insbesondere die kirchlichen Feste. So nimmt die Bürgermiliz bestehend aus dem Spielmannszug mit ca. 25 Mann, der Milizkapelle mit ca. 50 Mann und den beiden Gewehrzügen einschließlich Fahnen- abordnung mit ca. 50 Mann an den kirchlichen Prozessionen wie Fronleichnam und Peter und Paul, dem Kirchenpatrozinium, teil. Bei diesen Prozessionen befindet sich der Pfarrer mit dem Allerheiligsten zwischen dem I. und II. Zug. Am jeweiligen Sonntag nach dem Peter- und Paulstag - 29.06. - feiert die Bürgermiliz seit dem Jahre 1973 das Peter- und Paulsfest als Heimatfest. Ein weiterer alljährlicher Auftritt der Bürgermiliz ist der „Große Zapfenstreich“. Der frühere Hauptmann und Kommandant Ludwig Müller (bis 2003) und sein Nachfolger Reinhard Spinner (bis 2018) wurden jeweils zu Ehrenkommandanten bzw. Majoren ernannt.

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