Chronik 90 Jahre Landesverband

15 Die Bürgerwehren und Milizen des Gebietes Baden und Südhessen können im Jahre 2021 auf 90 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Am 13. Juli 1930 beschlossen Kommandanten und Offi- ziere, anlässlich des „Heimattages der Badener aller Welt“ in Karlsruhe, einen Badischen Landes- verband zu gründen. Der Vorschlag zur Vereini- gung kam vom Schriftführer des Verkehrsvereins Karlsruhe, Julius Lacher. Nach der vollzogenen Gründung am 14. Februar 1931 in Villingen wurde als erster Landeskommandant der Kommandant des Freiwilligen Schützenkorps Zell a. H., Haupt- mann Hermann Kopf, gewählt. Am 9. Oktober 2021 soll nun dieses Jubiläum auf der Insel Reichenau in Anwesenheit von Abordnungen aller Bürgerwehren und -milizen gefeiert werden. Die Zeit vor 1930 Schon im Mittelalter trafen Städte und Dörfer besondere Hilfs-, Wach- und Verteidigungs­ maßnahmen zu ihrem Schutz. Bürger und Einwohner, die bereits eine bestimmte Zeit am Ort wohnten, wurden zu Waffenübungen und sogar zum Kriegsdienst herangezogen. Bei Gefahr läutete die Rathaus- oder Kir­ chenglocke Sturm (in Freiburg existierte bereits 1509 eine „Sturmglockordnung“) und jeder Bürger musste bewaffnet oder bei Brand auch mit einemWasserkübel ausgerüstet zu einem festgelegten Sammelplatz eilen, wo er weitere Anweisungen erhielt. Die Ausrüstung dieser „Bürgerwehren“ bestand noch Ende des 16. Jahrhunderts aus Harnisch, Sturmhaube, Hellebarde und Knobelspieß, am Anfang des 17. Jahrhunderts dann auch aus der Muskete, später der Steinschlossflinte, dem Zündnadelgewehr, Hinterlader und Repetiergewehr. Die Schützen rekrutierten sich meist aus den schon sehr alten Schützenbruderschaften, den Schützen­ brudergesellschaften oder entsprechenden Vereinigungen. Die Handwerker hingegen waren für das Ausbessern beschädigter Stadtmau­ ern, Brücken und dergleichen sowie für die Bekämpfung der zum Teil verheerenden Brände zuständig. Jeder Pflichtige musste für sein „Ober- und Untergewöhr“ selbst sorgen. Bürgerwehrähnliche Einrichtungen Die eigentlichen Bürgerwehren in der Form, wie sie heute noch in verschiedenen Städten und Gemeinden bestehen, traten erst im 18. Jahrhundert in Erscheinung. Sie sind aus dem „Bürger Militair“ oder den „Bürgermilitärcorps“ hervorgegangen. Ihre Uniformierung war anfangs von den friderizianischen und später von den napoleonischen Vorbildern beeinflusst. Diese Bürgerwehrsoldaten dienten selten als Kampfsoldaten sondern in der Hauptsache als Wachsoldaten, als Streifenkommandos sowie als Parade- und Prozessionssoldaten. Diese Entwicklung hängt mit den damals entstehenden Staatsheeren (Volksheere nach der Französischen Revolution 1789) und der Staatspolizei zusammen, welche die eigentlichen Bürgerwehren überflüssig machten. So wurden die Bürgerwehren und Milizen schließlich zu Trägern einer gehüteten Tradition eines aufrecht gehaltenen Heimatgedankens und frommen Bürgersinnes. So wurde zum Beispiel in Bretten das auf das Jahr 1504 zurückgehende Aus der Geschichte Lager der Mannheimer Bürgergarde auf dem Paradeplatz, um 1840 ( Nach einem Aquarell von Obert)

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